11.02. 2017 - Zivilschutzangelegenheiten
11.02.2017
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In dieser Ausgabe ein wenig Geschichte über die Entwicklung des Zivilschutzes in Österreich sowie ins besonders in Kaltenleutgeben.

Zivilschutz von gestern bis heute - eine Kurzchronik

Die Gründung des Zivilschutzes in Österreich geht bereits in die Zeit der Ersten Republik zurück und wurde 1928 als Österreichischer Luftschutzbund gegründet. Nach dem Anschluss Österreichs an das Deutsche Reich 1938 wurde die Organisation in den Reichsluftschutzbundes eingegliedert.
Während des Zweiten Weltkrieges lag die Hauptaufgabe der Luftschutzwarte (Teil des passiven Luftschutzes) darin, die Zivilbevölkerung bei Luftangriffen in gesicherte  Gebäude oder andere schutzgebende Objekte unterzubringen und bestmöglich zu betreuen. Die dafür zuständigen Personen rekrutierten sich aus den nicht an der Front stehenden meist älterenmännlichen Bewohnern aber auch aus beherzten Frauen und manchmal auch aus Jugendlichen.In Kaltenleutgeben wurde diese Aufgabe überwiegend von Feuerwehrmitgliedern abgedeckt, die auch für die rechtzeitige Alarmierung und den Brandschutz sorgten. Meist blieben die Bewohner unseres Ortes mangels besserer Möglichkeiten in den eigenen Kellern oder suchten Schutz in selbstgegrabenen Stollen, wie z.B. oberhalb des Cholera-Kreuzes (persönlicher Bericht meiner Großmutter!). Die Aufgabe der Luftschutzwarte war daher in Kaltenleutgeben eine  eher überschaubare sofern man die Kampfhandlungen am Ende des Krieges ausklammert.

Nach Kriegsende galt es den Wiederaufbau zu starten, für den Zivilschutzaufbau sahendie Alliierten keinen Handlungsbedarf. Erst mit dem Staatsvertrag und der wieder gewonnenen Souveränität Österreichs 1955 begann rd. zehn Jahre nach dem Krieg der Gedanke Zivilschutz aufzukeimen. Die Doktrin der umfassenden Landes-verteidigung, militärisch-geistig-zivil-wirtschaftlich, führte zur Gründung des Österreichischen Zivilschutzverbandes (ÖZV) am 25. Mai 1961. Die Gründung erfolgte mit Unterstützung des Bundesministeriums für Inneres unter der Präambel „Schutz der Zivilbevölkerung bei kriegerischen Ereignissen“. Durch den sog. kalten Krieg war für die Mächte des Warschauer Paktes Österreich ein „Durchmarsch,- bzw. Aufmarschland“ (siehe Archive in der ehem. CSSR und Ungarn). Für die NATO war Österreich ein „Störriegel“ zwischen den Verbündeten BRD und Italien. Diese Tatsachen waren den österreichischen  Militärs (Stabschef General Spannocchi) selbstverständlich bekannt, wurde aber von der politischen Führung  kleingeredet oder gar verdrängt. Das Haupt-argument  dabei immer „wir sind neutral uns kann nichts passieren“. Trotzdem war die Sorge eines Atom-Erstschlages vorhanden und die Überlegungen der Schutz-raumbauten griffen um sich. Am 12. September 1967 trat ein Gesetz in Kraft, dass alle öffentlichen Neubauten über einen ausreichenden Schutzraum  verfügen müssen. Auch die Bundesländer zogen nach, so auch N.Ö. Die Bauordnung ab 1969 schrieb für alle Neubauten die „Schutzraumpflicht“ vor. Die Wahrheit ist, es kam nie zu einer Umsetzungspflicht. Aus heutiger, meiner persönlichen Sicht „Gott sei Dank“. Aber in den späten Sechziger Jahren war die Situation eine andere als heute.Der Zivilschutz wurde eingebunden und bekam die Aufgabe übertragen die  Informationen über die Notwendigkeit und die Errichtung von Schutzräumen der Bevölkerung zu vermitteln. Eine sicher keinesfalls dankbare Aufgabe, da die Politik nur halbherzig dahinter stand und auch die notwendigen finanziellen Mittel fehlten. Außerdem führte es dazu, dass der Zivilschutzverband immer nur im Zusammenhang mit Atombomben und Atomkriegen genannt und wahrgenommen wurde. Die Tatsache, dass im Jahre 1981nur 0,64 % der Bevölkerung Platz in einem Schutzraum gefunden hätten,  zeigt wie wenig wirksam diese Initiativen der damaligen Regierungen waren. Mit Ende des kalten Krieges verschwand die Idee Schutzraum fast gänzlich aus dem Bewusstsein der Bevölkerung und die wenigen Schutzräume wurden Großteils zu Hobby-Räumen u. ä. umfunktioniert.

Doch die Arbeit des Zivilschutzes wurden im Laufe der Jahre nach der Gründung  1961 nicht weniger sondern vielfältiger, umfassender und spezifischer. Mit Ende des kalten Krieges gab es nicht nur ein Umdenken in der Politik und bei den Militärs, sondern auch in den Reihen des Zivilschutzes. Man gab sich ein zeitangepasstes Leitbild unter dem Schwerpunkt die Bevölkerung durch Information und Aufklärung auf  einen Katastrophen- bzw. Krisenfall oder eine andere Notsituation vorzubereiten und zur Selbsthilfe zu ermutigen.
Diese Intention wurde auch von den verantwortlichen Kräften in Kaltenleutgeben aufgegriffen einen Zivilschutz aufzubauen. In den Anfängen übernahm die Freiwillige Feuerwehr diese Aufgabe, da auf Grund der Feuerwehrausbildung ein Grundwissen über die Aufgaben des Zivilschutzes bestand.

Als erster Funktionär ist Jaroslav Milacek zu erwähnen der um 1970 als Kdt.-Stv. der Freiwilligen Feuerwehr die Zivilschutzangelegenheiten abdeckte. Ihm folgt 1973 Johann Wallner, Kdt. und ab 1976 Ehren-Kdt. der Feuerwehr Kaltenleutgeben. In den Archivunterlagen finden sich aus dieser Zeit Unterlagen von Kursbesuchen  und die Teilnahme an Planspiel-Übungen in der N.Ö. Zivilschutzschule, die sich damals im Schloss Wartholz in Reichenau/Rax befand.
In den Gemeindearchiven findet sich auch ein Handzettel aus dem Jahre 1977 mit einem handschriftlichen Vermerk  (ohne Name/Unterschrift) dass Gemeinderat Dr. Franz Madl Vorsitzender des Zivilschutzes wurde. Da es die Funktion Vorsitzender offiziell nicht gab ist davon auszugehen dass damit die Mitarbeit im Zivilschutz gemeint war.Im Jahre 1982 übernahm Franz Siegl als Gemeinderat die Agenden des Zivilschutzes. Sein Ausbildung und Erfahrung als Reserveoffizier des Österreichischen Bundesheeres kam ihm dazugute und der Aufbau wurde fortgesetzt. Im Rahmen einer mehrtägigen Festveranstaltung im September 1989, wurde nicht nur eine neues Rüstlöschfahrzeug der Feuerwehr in den Dienst gestellt, erhielt das Rote Kreuz ein Einsatzfahrzeug und feierte der Gendarmarieposten unter dem Kommando von GrInsp. Alfred Wagner sein 100-jähriges Bestehen, sondern wurde auch als einer der ersten Gemeinden des Bezirkes das Selbstschutzzentrum mit Sitz im Rathaus eröffnet. Franz Siegl legte per 13. Dezember 1995 auf Grund seines Wohnortwechsels die Funktion  des Ortsleiters zurück. Am 20. Dezember 1995 übernahm Gemeinderat Hans-Jürgen Gruber die Agenden des Zivilschutzes. Er besuchte zahlreiche Kurse am damaligen Schulstandort in Horn und brachte das erworbene Wissen im Gemeinderat ein. Er übte seine Funktion bis Ende  2002 aus.              

Im Hinblick auf das vor der Fertigstellung stehende Sicherheitszentrum, wurde bei der Jahreshauptversammlung der Freiwilligen Feuerwehr im Jänner 2003 beschlossen, im Auftrag der Gemeindeverwaltung, die Zivilschutzangelegenheiten zu übernehmen. Zur Fachcharge wurde HLM Hans Wallner (der Verfasser dieser Kurzchronik), ernannt.
Der notwendig GR-Beschluss und die Bestellung von Hans Wallner zum Ortssleiter des Zivilschutzverbandes Kaltenleutgeben erfolgt am 18. März 2003.

Mit der offiziellen Eröffnung des Sicherheitszentrums (SIZ) am 25. September 2004 ist der Zivilschutz im „HEUTE“ angekommen und ein wichtiger Bestandteil des Sicherheitskonzeptes unserer Marktgemeinde Kaltenleutgeben.         

Hans Wallner e.h., Kurzchronik verfasst im November 2016

Anmerkungen: Die Kurzchronik entstand unter der Mithilfe von Elisabeth Graf, Franz Siegl und Alfred Wagner, dafür möchte ich an dieser Stelle herzlich danken!

Eine kleine Sonderschau zur Chronik ist im Feuerwehrmuseum der Freiwilligen Feuerwehr Kaltenleutgeben, bis Ostermontag, 17. April 2017 zu sehen!

Zuletzt geändert am: 11.02.2017 um 07:58

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